Platooning soll die Logistikbranche entlasten

Autonomes Fahren, Logistik
Foto: MAN

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Die Welt der Technik ist schwanger. Schon lange Zeit wimmelt es in der Presse von den Ankündigungen von Innovationen aller Art, die Bandbreite dieser Innovationen ist enorm – von fliegenden und selbstfahrenden Autos bis zu humanoiden Robotern als Lebenspartnern. Vieles davon bleibt für uns Leser ein Vorgeschmack, vage Vorstellungen. Auf die Geburt muss man warten. Andere Entwicklungen kommen schneller zum Vorschein, wenn auch erst als Testversionen oder Unikate.

Angetrieben von möglicher Kostenreduktion wagen die Unternehmen ihre ersten Schritte in die neue Ära, mit mehr Maschinen als je zuvor. Und wo, wenn nicht in der boomenden Logistik, ist diese Tendenz am sinnvollsten – schließlich leidet die Branche schon längst unter Personalmangel.

In unserem letzten Artikel schrieben wir über den Terminal Yard Tractor, nun geht es um eine andere Innovation im Logistik-Bereich – das Platooning. Zwar ist das kein neuer Begriff, doch es geht diesmal um eine reale Teststrecke in Deutschland, im realen Straßenverkehr auf der A9 zwischen München und Nürnberg. Die richtigen Berufskraftfahrer sollen es am eigenen Leib testen, über mehrere Monate.

Um es einfach zu erklären, geht es bei Platooning darum, mehrere Fahrzeuge in der Kolonne fahren zu lassen, im Idealfall, ohne jede Kabine mit einem Fahrer zu besetzen. Es reicht, wenn das erste Fahrzeug vom Menschen gesteuert wird, die restlichen sollen ihm „einfach folgen“. Gespart wird dabei nicht nur am Personal, sondern auch am Sprit, denn dicht aufeinander folgende Fahrzeuge befinden sich im Windschatten und verbrauchen daher weniger Kraftstoff.
Verbunden sind die im Platoon fahrenden Fahrzeuge durch eine sogenannte elektronische Deichsel per Car-to-Car-Kommunikation. Die Geschwindigkeit und die Richtung des führenden Fahrzeugs werden an die ihm folgenden Fahrzeugen übergeben. Für die Verkehrssicherheit ist die elektronische Kopplung verantwortlich. Diese erfüllt ihre Aufgaben, auch wenn sich ein Intruder (zum Beispiel ein PKW) in die Kolonne einmischt.

Drei Kooperationspartner arbeiten an den Projekten – DB Schenker, MAN Truck & Bus und die Hochschule Fresenius. Die Pilot-Fahrzeuge stammen von MAN und wurden im Februar 2018 an DB Schenker geliefert. Seit dem Zeitpunkt und bis Anfang Juli lief die aktive Vorbereitungsphase: Die Fahrer mussten trainiert, die Integration des Projektes in ein funktionierendes Logistiksystem musste vorbereitet werden. Die wissenschaftliche Betreuung übernimmt die Hochschule Fresenius.

Am 25. Juni war es soweit und die ersten Testfahrten auf der Strecke zwischen München und Nürnberg starteten. Die Strecke ist 145 km lang – lang genug, um die Kolonne in allen möglichen Verkehrssituationen zu testen. Noch sitzt auch in dem zweiten LKW ein Fahrer, dieser kann es sich aber relativ entspannt bequem machen, die Arbeit übernimmt die Elektronik. Die Auswirkung einer solchen Entlastung auf den Körper des Testfahrers wird überwacht und analysiert – dies ist auch ein wichtiger Teil des Projektes.
Mehrere Wochen werden die LKWs ohne Ladung getestet – danach werden sie beladen und übernehmen die täglichen Dienstfahrten. Die Fahrer werden dabei aktiv durch Spezialisten von MAN ProfiDrive unterstützt. Mehr Infos dazu finden sie hier.

Die technische Entwicklung der Platooning-Systeme scheint auf dem richtigen Stand zu sein. Werden wir also bald die neuen Logistik-Kolonnen im Alltag erleben? Wie auch bei autonom fahrenden Fahrzeugen befürchten die Skeptiker, dass dann aber erhebliche Änderungen in der StVO notwendig werden – und da, wo es um Gesetze geht, kann es recht langsam werden.

Da mögen sie auch recht haben, doch es stehen schon ziemlich viele technische Erfindungen in der Pipeline, welche auf ähnliche Gesetzveränderungen pochen, und die Einführung solcher Veränderungen scheint bereits unausweichlich zu sein.

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