Die größte Ozeansäuberung in unserer Geschichte

Ocean Cleanup Project

Ocean Cleanup

8. September. Der Tag, an dem das „Ocean Cleanup Project“ die Bucht von San Francisco verlässt, um den ersten Schritt zur Beseitigung des Pazifischen Müllstrudels zu machen.

Die Erfindung des 23 jährigen Niederländers Boyan Slat ist knapp 600 Meter lang und besteht aus einer Reihe miteinander verbundener Rohre mit einem Durchmesser von knapp 1,2 Metern.
Unter der Vorrichtung befinden sich ungefähr 3 Meter lange Netze, die sich auf die Gesamtlänge des Komplexes ausbreiten.

Der Gedanke dahinter war folgender:
Während die Rohre auf der Wasseroberfläche treiben, sollen die Netze die Arbeit machen, und die Plastikabfälle abfangen. Durch das Verfangen des Plastiks in den Netzen, wird aus dem Rohrkomplex eine U-Form, durch die der eingefangene Müll eingezäunt wird.
Ein 600 Meter tief hängender “Anker“ sorgt dafür, dass das Konstrukt langsamer treibt als der Ozean selbst, damit die Strömung und Wellen den Müll in die Netze pressen können, während Meeresbewohner unter den Netzen her schwimmen sollen.

Trotz des Aufenthaltes mehrerer Ingenieure auf einem nicht weit entfernten Schiff, soll Slat und sein Team dauerhaften Kontakt zum „Trash collector“ haben. Hierfür wurde der Mechanismus mit Kameras, Sensoren und Satelliten ausgestattet und besitzt außerdem solarbetriebene Lichter, die unbekannte Schiffe davon abhalten sollen, die Baut zu erfassen.

Um den erfassten Müll einzusammeln, kommt ein Frachter in bestimmten Zeitabständen rausgefahren, nimmt diesen mit und bringt ihn zurück ans Land, wo dieser dann wiederverwertet wird.

Ein sehr kreative Vorstellung des ehemaligen Luft- und Raumfahrttechnikstudenten, was den gesamten Einsatz angeht, der laut Kritikern entweder einen tollen Erfolg, oder aber einen kompletter Reinfall aus sich ergeben könnte. Die Idee, die Weltmeere von Plastikmüll zu befreien, ist das Resultat seines Entsetzten, das Slat erfahren hat, als er in jüngeren Jahren die Wasserverschmutzung beim Tauchen in Griechenland für sich entdeckte.

Durch unzählige Spender und Unterstützer seiner Idee erhält Slat für sein Projekt im Jahre 2017 5,9 Millionen US-Dollar und meldet Reserven von weiteren 17 Millionen, übriggeblieben aus Spenden der Vorjahre. So wird das Projekt finanziert.

Fehlgeleiteter Fokus

Laut Kritikern ist die Gesamtlage der Ozeanverschmutzung so schlecht, dass es zwar einen Versuch Wert ist, dennoch der Fokus dieses Projekts auf der Beseitigung des Abfalls liegt, wobei man sich zuerst drum kümmern sollte, überhaupt keine Verschmutzung der Weltmeere zuzulassen. Wenn die ganze Aufmerksamkeit auf die Säuberung gerichtet ist, lässt man zu, dass die Ozeane weiterhin kontaminiert werden. Die Konzentration soll nur zu einem kleinen Teil auf die Beseitigung des Mülls fallen. Man muss sich mehr Gedanken darüber machen, wie man die Abfallquellen stoppen kann.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Vorrichtung nur in der Lage sein wird, das Plastik an der Wasseroberfläche zu erfassen, wobei sich auch ganz viel Kunststoff auf dem Meeresgrund oder auf verschiedenen Höhen der Gewässer befindet.
Zudem könnte es durch einen Sturm oder eine andere natürliche Gewalt zum Zerfall des Konstruktes kommen, wodurch eine noch größere Verschmutzung durch die Kunststoffrohre entsteht.

Wo kommt der Müll her?

Einem Bericht der „IUCN“ (International Union for Conservation of Nature) zufolge, gelangen jährlich 9,5 Millionen Tonnen Abfall in den Ozean.
Eine der Ursachen dafür sind oft Länder, dessen Last stark auf die Konsumentenwirtschaft fällt, wessen Entsorgungssysteme jedoch weitaus unterentwickelt ist. Meist handelt es sich hierbei um Länder aus dem asiatischen Raum.

Zwar ist Plastik im Gegensatz anderen Materialien nicht biologisch abbaubar, jedoch zersetzt er sich nach einer Weile in immer wieder kleinere Teile. Dadurch entstehenden sogenannte Mikroplastiken, die dann in den Gewässern treiben, ohne irgendeinen Naturellen Nutzen oder Nahrung für das Meeresleben zu bieten.

Was passiert nun?

Am 8. September soll das erste System des Projekts an eine Stelle, 240 Seemeilen von der amerikanischen Küste entfernt, gebracht werden. Ausgangspunkt ist ein Dock im kalifornischen Alameda, wo die Vorrichtung erbaut wurde. 40 bis 60 Tage soll sich das System, zwecks realitätsgetreuen Tests, dort aufhalten.
Wenn alles nach Plan läuft und das System die dafür vorgesehenen Aufgaben erledigt, wird es nach Ablauf der Testphase weitere 960 Meilen in den Westen, und somit direkt zum „Great Pacific Garbage Patch“, den Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii, befördert.

Ziel ist es, bis zum Jahre 2020 rund 60 solcher Systeme für Aufräumarbeiten in den Ozean zu schicken, die in einem Zeitraum von 5 Jahren bis zu 50% des Abfalles entsorgen sollen.

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