2024/2025 markiert eine historische Schwelle: Humanoide Roboter wechseln vom Labor in die Serienfertigung. Nach Jahrzehnten der Forschung steht die Robotik jetzt an einem Punkt, an dem Kosten, KI-Fähigkeiten, Sensorik und mechatronische Effizienz erstmals zusammenkommen.
Nach aktuellen Herstellerangaben zählt insbesondere UBTECH zu den Unternehmen, die 2025 eine großangelegte Auslieferung humanoider Roboter melden. Das Unternehmen bezeichnet die Lieferung hunderter Walker-S2-Einheiten als einen der ersten Schritte in Richtung massenhafter Bereitstellung humanoider Arbeitsroboter. Doch auch andere Technologieunternehmen weltweit bereiten mittlerweile Produktionslinien, Lieferketten und Pilotkundenprogramme für humanoide Roboter vor.
Wer produziert humanoide Roboter bereits in größerem Stil?
Ubitech
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmakt |
| China | Walker S / Walker X | Serienfertigung angekündigt; Fertigungslinien aufgebaut | Industrie, Logistik, Service |
Agility Robotics
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| USA | Digit | Erste Serienfabrik „RoboFab“ eröffnet; Kapazität 10.000 Einheiten/Jahr | Logistik, Lagerbereiche |
Figure AI
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| USA | Figure 01 | Massenproduktion ab 2025–2027 geplant; Partnerschaften (Amazon) | Logistik, Industrie |
Tesla
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| USA | Optimus Gen 2 | Produktionsstart angekündigt (interne Nutzung ab 2025) | Tesla-Fabriken, später B2B |
Fourier Intelligence
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| China | GR-1 | Massenproduktion angekündigt; Fokus auf Reha + Service | Gesundheit, Service, Forschung |
Sanctuary AI
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| Kanada | Phoenix | Beta-Kunden, Pilotproduktionen in Vorbereitung | Dienstleistung, Einzelhandel |
Apptronik
| Land | Modell | Produktionsstand | Zielmarkt |
| USA | Apollo | Kooperation mit NASA; Pilotserien laufen | Industrie, Automotive |
Warum humanoide Roboter jetzt in Serienfertigung gehen
Einer der Hauptgründe, warum humanoide Roboter gerade so stark in den Fokus rücken, ist erstaunlich simpel: Die Arbeitswelt läuft vielerorts leer. Ob in US-Fabriken, europäischen Logistikzentren oder japanischen Produktionslinien – überall fehlen Menschen für monotone, körperlich anspruchsvolle Jobs. Parallel dazu hat die Robotik einen technologischen Sprung hingelegt. Moderne KI-Modelle verarbeiten heute visuelle Informationen, Bewegungsplanung und Greifentscheidungen fast so selbstverständlich wie ein Mensch, während Motoren, Sensorik, Akkus und leichte Materialien eine neue Leistungsstufe erreicht haben. Und genau dadurch verändert sich die ökonomische Rechnung: Die Betriebskosten humanoider Roboter sinken so stark, dass einige Modelle bald unter der 20-Dollar-pro-Stunde-Marke liegen könnten. Was noch vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, wird plötzlich zu einer realistischen Option – und zu einem potenziellen Gamechanger für zahlreiche Branchen.
Welche Technologien setzen die Hersteller ein? Technische Unterschiede im Wettbewerb
Humanoide Roboter teilen einige Grundtechnologien – aber die Implementierung unterscheidet sich stark.
Antriebssysteme
| UBTECH | Leichte Servomotoren – effiziente, modulare Antriebe. Fokus auf Kostenoptimierung |
| Agility (Digit) | Verwendung von linearen Beinantrieben; robuster, aber weniger geschmeidig |
| Tesla Optimus | High-end Aktuatoren aus eigener Fertigung, sehr flüssige Bewegungen |
| Figure 01 | Hochleistungs-Servos + hydraulische Elemente; starke Traglast |
Sensorik & Wahrnehmung
| TESLA | nutzt das Full-Self-Driving Kamera-Ökosystem (Vision-only) |
| UBTECH | kombiniert 3D-Kameras + Lidar + RGB-D (günstiger, sicherer in Innenräumen) |
| Agility | nutzt Multi-Sensorik + wenig KI-Komplexität (arbeitsteilig, wie ein Gabelstapler) |
| Sanctuary | integriert fortgeschrittene haptische Sensoren für Fingerspitzen |
KI & Software
| Sanctuary AI | Modell „Carbon“, KI für kognitive Arbeit (z. B. Kassentätigkeiten) |
| Figure AI | Partner mit OpenAI → fortgeschrittene multimodale Entscheidungs-KI |
| Tesla | nutzt Optimus mit denselben Netzwerken wie FSD (riesige Trainingsdaten) |
| UBTECH | besitzt eigene KI-Plattform; Fokus B2B-Industrial, weniger generelle KI |
Einsatzfelder
| UBTECH Walker | Fertigung, Sicherheitsdienste, Logistik, Krankenhausdienste |
| Agility Digit | Partner mit OpenAI → fortgeschrittene multimodale Entscheidungs-KI |
| Tesla Optimus | Beginnend in Tesla-Fabriken (z. B. Schrauben, Sortieren, einfache Tätigkeiten) |
| Figure 01 | Lager + allgemeine körperliche Arbeit (z. B. Verpacken, Transport) |
| Sanctuary Phoenix | Dienstleistungsaufgaben: Kassieren, Regale einräumen |
| Fourier GR-1 | Reha, Healthcare, Assistenz |
Warum humanoid? Welche Vorteile bringt die menschliche Form wirklich?
Wenn es um humanoide Roboter geht, taucht immer wieder dieselbe Frage auf: Müssen Maschinen wirklich aussehen wie wir? Die Antwort hat weniger mit Design zu tun, als man denkt. Es geht nicht darum, dass ein Roboter mit Armen und Beinen cooler wirkt. Der eigentliche Grund ist viel praktischer: Unsere gesamte Welt ist auf menschliche Körpermaßstäbe zugeschnitten. Türgriffe, Treppen, Werkzeuge, Bedienfelder, die Höhe von Regalen – alles wurde für Menschen entwickelt. Wer sich in dieser Umgebung bewegen und arbeiten soll, profitiert von einem Körper, der zu dieser Infrastruktur passt.
Genau aus diesem Grund sind humanoide Roboter so interessant. Sie können Türen öffnen, Leitern benutzen, Schalter drücken, Kisten greifen oder mit Werkzeugen arbeiten, ohne dass Unternehmen ihre Produktionshallen umbauen müssen. Ein humanoider Roboter ist also nicht einfach ein Maschinenimitat des Menschen, sondern ein System, das die existierende Umgebung nutzen kann, wie sie ist. Das macht ihn sofort einsetzbar – in Fabriken, in Lagern, in Hotels oder im Einzelhandel.
Dazu kommt ein menschlicher Faktor: Akzeptanz. Menschen reagieren auf eine ihnen vertraute Form deutlich entspannter. Ob in Pflegeeinrichtungen, Kliniken oder Hotels – ein humanoider Helfer wirkt weniger fremd als eine abstrakte Maschine auf Rädern oder Schienen. Und nicht zu vergessen: Ein Roboter mit Armen, Händen und Beinen ist enorm flexibel. Er kann heute eine Kiste heben, morgen einen Wagen ziehen und übermorgen ein Werkzeug bedienen, ohne dass er für jede Aufgabe speziell konstruiert werden muss. Das spart Spezialmaschinen – und damit Geld.
Natürlich ist die humanoide Form kein Allheilmittel. Ein Roboter auf Rädern ist schneller und energieeffizienter. Vierbeiner sind stabiler auf unebenem Boden. Drohnen schlagen jeden, wenn es um Höhe oder Geschwindigkeit geht. Stationäre Roboter bleiben unschlagbar präzise. Aber keiner dieser Robotertypen kann das ganze Spektrum menschlicher Alltagsbewegungen abdecken. Genau das macht die humanoiden Modelle so spannend: Sie sind die Generalisten unter den Robotern – vielseitig, adaptiv und bereit für die Welt, wie sie heute existiert.

Yevgeniy Kucherskyy
Content Marketer, Autor
Seit Jahren erkläre ich Technik und unterstütze Technologieunternehmen bei ihrer Kommunikation im Netz. Mein Ansatz, Technik und Wirtschaft zusammen zu betrachten, hat sich als sehr hilfreich erwiesen: Inhalte gewinnen dadurch an Qualität, Tiefe und Reichweite. Auch für Investoren – von privaten Börsenanlegern bis hin zu Firmen, die ihr Know-how durch Übernahmen erweitern möchten – kann diese Perspektive wertvoll sein. So eröffnen sich auch kleineren Wirtschaftsakteuren bessere Chancen, die richtigen Investoren zu erreichen.
